Werbefinanzierte Software, relevant
für Consumer und Business
München, 12.10.2006:
Zur Zeit werden Internet-Services, wie
E-Mail, Kalender, Ablage-Services etc. als werbefinanzierte, aber
ansonsten kostenlose Dienste aufgesetzt. Bei diesen Diensten wird dann,
oft inhaltsabhängig, Werbung eingeblendet.
Werbefinanzierung geht auch bei lokal installierter Software. Bevor
beispielsweise eine Bildbearbeitungssoftware startet, könnte Werbung
für Digitalkameras eingeblendet werden, zyklisch via Internet
aktualisiert. Werbetreibende würden so eine scharf umrissene
Zielgruppe gut sichtbar erreichen. Allerdings müssten die
Werbetreibenden dabei relativ hohe Tausender-Kontaktpreise zahlen, und
für den Klick auf ihre Werbung müssten sie eher Euro-Beträge an den
Software-Hersteller zahlen, statt wie bisher in der Online-Werbung nur
Cent-Beträge.
Werbefinanzierung bei Konsumenten ist durchaus wahrscheinlich, weil
Konsumenten immer weniger bereit sind für bestimmte Software, z.B.
Office-Werkzeuge, Geld zu bezahlen.
Wenn man die Geschäftsvolumina eines mittleren Software-Anbieters,
z.B. für Medientools oder Spiele rechnet und eine realistische Anzahl
von gleichzeitig werbenden Firmen, Klickraten und Klickbeträgen in
solch eine Rechnung einsetzt, dann erkennt man, dass reine
Werbefinanzierung für Software-Anbieter einstweilen kaum reicht, um
in die bisher üblichen Umsatzkategorien vorzudringen.
Vermutlich wird es daher bei Consumer-Software in Zukunft einen Mix
geben: kostenlose, zeitlich limitierte Test-Software oder
Einzelmodule, werbefinanzierte Versionen und ebenso kostenpflichtige,
werbefreie Vollversionen.
Interessant ist, dass auch bei Business-Software Werbung eine
gewisse Chance hat.
Der besondere Kick für die
Software-Anbieter ist dabei weniger das Einnahmevolumen, sondern die
Chance, mit werbefinanzierter Software an den Torwächtern vorbei in
Unternehmen einzudringen. Mancher Einzelnutzer in Firmen würde z.B.
eine werbefinanzierte Übersetzungssoftware aus dem Internet nutzen,
oder entsprechende Software-Services für Reiseplanung oder den
Datenaustausch mit mobilen Systemen. Mancher interne Projektleiter
würde schnell einmal Webkonferenz-Werkzeuge, eine
Dokumentenmanagement-Lösung oder einen Projektraum für die
Zusammenarbeit mit externen Partnern einsetzen, wenn dies möglich
wäre ohne die Genehmigung des Vorgesetzten, des Einkaufs und der
internen IT, wie es bei Kaufsoftware erforderlich ist. Als
Werbetreibende kämen u.a. Anbieter von Reisen, Hotels, Kongressen,
Weiterbildung und von anderen Software-Services in Frage. Die
Software-Anbieter könnten dabei ähnlich wie im Consumer-Segment
Produktdiversifikation betreiben, weil neben werbefinanzierter, ggf.
funktional eingeschränkter Software die Chancen für werbefreie
Versionen eher noch steigen.
Ein solches, werbefinanziertes Modell hat sicher einige
Herausforderungen, u.a. muss der Dienst und die Werbung über die
Unternehmens-Firewall gebracht werden und die Anforderungen an
Datensicherheit und IT-Standards müssen in angemessener Weise
eingehalten werden.
Es sind auch werbefinanzierte Buchhaltungs-, Warenwirtschafts- oder
Kommunikationslösungen für Kleinfirmen denkbar, die damit Geld
sparen wollen und vielleicht sogar mit Internet-basierter Software den
Aufwand eigener, lokaler Installationen vermeiden wollen.
Und etwas Spaß zum Abschluss:
Wir wollen hier aber nicht so weit gehen
und Werbung in der Elster-Software der Steuerbehörden vorhersagen.
Überlegen Sie, lieber Leser, doch einmal wer dort gerne werben
möchte?
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